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Von den Kindern


© Ursula Hohlweg
© Ursula Hohlweg

Ein Text von Khalil Gibran, aus "Die Propheten-Bücher"

 

Eure Kinder sind nicht eure Kinder. Es sind Söhne und Töchter 
von des Lebens Verlangen nach sich selber. Sie kommen durch euch,
 doch nicht von euch; Und sind sie auch bei euch,
so gehören sie euch doch nicht.

 

Ihr dürft ihnen eure Liebe geben,
 doch nicht eure Gedanken,
 denn sie haben ihre eigenen Gedanken. Ihr dürft ihren Leib behausen,
 doch nicht ihre Seelen. Denn ihre Seelen 
wohnen im Hause von morgen,
 das ihr nicht zu betreten vermögt,
 selbst nicht in euren Träumen. Ihr dürft euch bestreben, 
ihnen gleich zu werden, doch suchet nicht,
 sie euch gleich zu machen. Denn das Leben läuft nicht rückwärts, 
noch verweilet es beim Gestern.

 

Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder 
als lebende Pfeile entsandt werden. Der Schütze sieht das Zeichen
 auf dem Pfade der Unendlichkeit, 
und Er biegt euch mit Seiner Macht,
 auf dass Seine Pfeile schnell und weit fliegen. Möge das Biegen in des Schützen Hand 
euch zur Freude gereichen. Denn gleich wie Er
 den fliegenden Pfeil liebt, 
so liebt Er auch den Bogen, 
der standhaft bleibt.